Endlich ein Heimsieg und keine*r hat’s gesehen

Leere Kurve beim Spiel AS Livorno vs. CataniaAm gestrigen Sonntag, dem 65. Jahrestag der Befreiung
Italiens vom Faschismus, bliebt die curva nord leer. Nur ein Transparent mit
der Aufschrift „Questa squadra e questa societa non rispecchiano la nostra
città“ (Die Mannschaft und dieser Verein spiegeln nicht unsere Stadt) war zu
sehen. Und wie reagierten die Spieler. Sie gewinnen nach
105 Tagen
endlich wieder ein Spiel und steigen dennoch
am selben Tag (rechnerisch) in
die Serie B
ab.

Die Curva Nord
Livorno 1915
rief in einem Comunicato
bereits im Laufe der Woche dazu auf, nicht ins Stadion zu gehen. Dem Motto
„Sonntag bleiben wir dem Stadion fern. Die Spieler)verdienen uns nicht“
schloßen sich alle Fanclubs der curva an, so daß sie entsprechend leer blieb.
Aber auch die anderen Sektoren waren weniger gefüllt als üblich. Insgesamt
trauten sich dennoch 8.000 Zuschauer*innen ins Picchi. Vor dem Stadion
protestierten mindestens 4.000
Personen
. Zusammen mit ihrem Transparent,
das an den 25. April erinnern sollte und von der Polizei nicht ins Stadion
gelassen wurde.

Der gestrige Sonntag war der Höhepunkt in den Zerwürfnissen
zwischen den Vereinsoffiziellen des AS Livorno, seinen Fans, den Spielern und
den Livornesi. Beim Spiel gegen Udinese hatte erstmals nach einer halben
Stunde unansehnlicher Verweigerung der Mannschaft die curva das Stadion
geschlossen verlassen. Die damals im Stadion Verbliebenen feierten jedes Tor
der Gäste, als wäre es das eigene.

Nach dem Spiel wurde der Mannschaftsbus von Amaranto von
verärgerten Fans attackiert
. Die Polizei nahm mindestens zehn Menschen
fest. Unter ihnen waren aber nicht nur jüngere Ultràs, sondern auch einige
ältere tifosi.

Die Enttäuschung der Fans bezieht sich im Besonderen darauf,
daß die Mannschaft nicht gegen den Abstieg gekämpft hat und völlig apathisch in
die Relegation ging. Die squadra spielte nicht, sie litt an Desinteresse und
Paranoia. Sie hatte sich längst aufgegeben und suchte nach Schuldigen. Zuerst waren
es die Schiedsrichter, dann der Trainer und am Ende die Fans.

Spinelli fand einen weiteren Schuldigen. Die Mannschaft!
Damit lag er gar ndaneben, allerdings hatte er vergessen sich selbst
kritisch zu hinterfragen. Schließlich war er es, der die Gerüchte um einen
Verkauf der Mannschaft am Leben hielt. Er
sucht nach eigenen Angaben weiterhin fieberhaft einen Käufer für den AS
Livorno.

Damit hält er sein Versprechen und verschwindet endlich.
Vorher hatte er aber erfolgreich den Trainer demontiert und systematisch die
Mannschaft kaputt gemacht, Niemensch wird ihm nachtrauern. Schließlich
beschimpfte er immer wieder die Fans und stritt sich seit Beginn der Saison mit
dem Kapitän der Mannschaft – dem capitano Lucarelli. Hinzu kommt, daß seine
Personalpolitik von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. Aber dennoch bleibt
er fromm und still. Er fordert lieber von den Anderen. Nämlich von den Spielern
800.000 Euro Strafe
wegen Weigerung sich in einem einwöchigen Straftrainingslager malträtiere zu
lassen.

Aber Apropos Lucarelli. Der hat gestern angekündigt, daß er
wahrscheinlich zurück nach Parma gehen wird. Nach dem Spiel äußerte sich der
einstige Bomber folgendermaßen:
"Ich hätte kein Problem damit, in die Serie B zu gehen. Aber ich denke, der
Verein wird nicht die Möglichkeit des Wiederkaufsrechts nutzen." Weiterhin
meint er, dass es niemensch überraschen würde, dass der capitano zu Parma
zurückkehrt. Beim letzten Heimspiel der Serie A am 9. Mai möchte er sich aber
gebührend verabschieden und sich vor allem bei der curva für die schöne Zeit im
Amaranto-Trikot bedanken. Mal sehen, wie er das meint.

Für Tavano ist die Saison schon jetzt schon vorbei.
Er ist aber nicht der einzige der verletzt danieder liegt. Die Ausfälle
betreffen fast die Hälfte des Kaders, unter anderem Stammspieler wie Perticone,
Diniz, Rivas, Miglionico, Pieri, Esposito und Filippini.

Am Ende noch etwas erfreulicheres. Die Fanseite Alé Livorno ist wieder komplett online
gegangen. Damit ist nun auch wieder die lange vermißte Fotogalerie erreichbar.
Die guten Berichte selbstverständlich auch.

Fotos vom Udinese Spiel gibt es bei Il
Tirreno
. Die Proteste ums Stadion hat auch ein Fotojournalist des Il
Tirreno
festgehalten.

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