Ein ganz normaler Spieltag in Ostdeutschland

Am Wochenende gab es einige brisante Partien in den verschiedenen deutschen Ligen. In der Oberliga Nord-Ost traf am Freitag die Zweite Mannschaft von Union Berlin auf Tennis Borussia. Am Samstag waren die Anti-St. Pauli von Hansa Rostock zum Drittligaspiel zu Gast im Karl Liebknecht Stadion in Babelsberg. In der zweiten Bundesliga traf am Montag der Karlsruher SC auf Energie Cottbus, dem selbsternannten „Stolz des Ostens“. Bei allen Partien gab es unschöne Szenen während und nach dem Spiel.

Am Freitag waren es die Gäste aus Köpenick, die sich im Mommsenstadion von ihrer besonders widerlichen Seite zeigten. Schon während des Spiels gab es antisemistische Chöre udn Gesänge. So wurde das Hans Rosenthal Lied gesungen, daß zynisch den Krebstod des „alten Juden“ abfeiert. Hinzu kamen die üblichen homophoben Schmähgesänge gegen TeBe Fans.

Trotz dem massiven Polizeiaufgebot und ziviler Beamter von der sogeannten Einsatzgruppe Hooligans (EGH) gab es keinerlei Konsequenzen für die Antisemit*innen, Homophobiker*innen und Sexist*innen im Gästeblock. Antifaschistische Unioner*innen wurden offenbar bei ihren Interventionen genauso igrnoriert, wie die Warnungen der externen Security. Der Übergriff eines Mobs von ca. 20 Männer nach dem Spiel war deshalb traurigerweise nur das I-Tüpfelchen des „Kleinen Derbys“.

Der Ruf nach dem Versagen der Unioner*innen Fanszene und der Sicherheitskräfte im Lila Kanal möchten wir uns allerdings nicht anschließen. Wenn eine Jugendgang sich verabredet um andere menschen anzugreifen, läßt sich das leider lediglich erschweren, aber nicht vollständig verhindern. Erschreckend bleibt es dennoch.

Einen Tag später zeigten sich die Suptras und andere Hansa Rostock Fans in Potsdam von ihrer schlechtesten Seite. Obwohl sowohl von Vereinseite als auch durch die Polizei behauptet wird, das Spiel wäre relativ friedlich verlaufen, gibt es doch einige Zweifel.

Das Neue Deutschland schreibt in seinem Artikel zum Spiel, daß es mehrfach gewalttäge Pro-Hooliganismus Chöre gab. Die durchaus beindruckende Pyroshow zu Beginn der Partie wurde im Laufe des Spiels temporär aufgefrischt. Hierbei sollen einige Böller auf den Rasen geflogen sein. DAs Spiel mußte kurz unterbrochen werden. Beim Spielstand von 2:0 für die Gäste riskierte der Anhang aus Rostock einen Spielabbruch. Außerdem sollen antifaschistische Rostocker*innen im Gästeblock beschimpft worden sein.

Die Blogberichte zum Spiel in Babelsberg sind erstaunlich zurückhaltend. Bei Eric Cantona wird sogar behauptet, es hätte eine 150 Mann Antifa-Support gegeben, der sich sogar per Tapete gezeigt hätte. Die Fetischist*innen des Römischen Gruß, die Fußball von links beobachtet hatte, werden bei Eric allerdings nicht erwähnt. Logisch – schließlich sind die Babelsberger*innen die St. Paulianer*innen des  Ostens und die grüßen Rostocker*inne nunmal mit dem gestreckten rechten Arm. Was sonst!

Die Polizei kolportiert, daß es am Samstag nachmittag sieben Festnahmen gab. Übrigens auschließlich übereifrige Rostocker*innen. Die Babelsberger*innen waren offenbar recht entspannt und ließen die Gäste – wie es sich gehört 😉 – ihren Sieg feiern. Wie die Zujezogenen schreiben, haben Stunden nach dem Spiel unbelästigt circa 20 Rostocker*innen gefeiert.

Am Montag stand der nächste Knaller auf dem Plan. In Cottbus rief der „Stolz des Ostens“ zum Heimspiel. Zu Gast war der Karlsruher SC. Das Spiel muß der Hammer gewesen sein. Vor allem weil ein neues Spielsystem geboren wurde. Der moderne Trainer spielt nämlich ihne Abwehr und Torwart.

Aber so interessant das Spiel auch war, auch am Montag gab es unschöne Szenen außerhalb des Stadions. Also von wegen untere Ligen, auch die höheren können ordentlich für Ultrà- / Hooligan Gewalt sorgen. Die Cottbusser*innen bewiesen dies mit einem zünftigen Angriff auf einen Regionalzug abreisender KSC Anhänger*innen.

Also, auch das vergangenen (verlängerte9 Wochenende war ein ganz normaler Spieltag in (Ost-) Deutschland. Männer sorgten für den eigenen Kick. Fußball wird durch diese Fankultur zur Nebensache. Bloß gut, das das nix mit Politik zu tun hat!

6 Kommentare zu „Ein ganz normaler Spieltag in Ostdeutschland“

  1. keny sagt:

    LOL, langsam wird’s auch hier absurd… „Gewalttätige Chöre“?? Was soll das denn sein?? Und was ist an ’ner zünftigen Pyroshow auszusetzen, solange nichts in andere Blöcke fliegt?

    Fangt doch nicht bitte auch noch mit dem Gejammer an, dass man so schon auf vielen linken Fußballblogs ertragen muss, man muss doch nicht jeden Scheiss skandalisieren. Und ich bin bestimmt kein Freund von Hansi Rohrstock 😉

  2. Jurij sagt:

    nana, nich‘ so schnell. gegen ’ne schöne bunte und lange pyroshow hab ich gar nix. hab ich ja auch gelobt (wollte ich zumindest). was ich aber gar nicht leiden kann, sind böller. erst recht auf dem rasen. da halte ich mich voll und ganz an die ziele der österreichischen kampagne „pyrotechnik ist kein verbrechen“ (http://www.pyrotechnik-ist-kein-verbrechen.at/ziel-der-kampagne)

    da heißt es zum eine: keine Böller oder Kracher zu verwenden

    und: keine Fackeln oder sonstige pyrotechnische Gegenstände auf Laufbahn oder Spielfeld zu werfen.

    gut erkannt!

    und gewalttäig waren die chöre nicht. is‘ vielleicht mißverstädnlich ausgedrückt. es geht um pro-hooligans chöre. find‘ ich nicht gut. genauso wenig, wie leute in bahnen zu überfallen.

    allerdings halte ich das „gejammer“ um polizei- / egh-versagen für falsch. die sicherheitskräfte werden sowas nicht verhindern können. das kann nur eine organisierung und eine klare position.

  3. eric sagt:

    man könnte ja fast meinen, wenn man deinen artikel ließt, dass hinter berlin-brandenburg ein npd-aktionswochenende liegt.
    und ja, den 150-mann-antifa-support gab es. aber da müssten leute ja mal etwas mitdenken, um darauf zu kommen, dass damit der babelsberger anhang gemeint ist. und wieso sollte ich vermeintliche führer-grüße erwähnen, wenn ich diese nicht gesehen hab. davon mal abgesehen, dass davon ausgegangen werden kann, dass, wenn diese sooo offensichtlich gewesen wären, die aktive rostocker szene da, wie im fall udo pastörs auch eingegriffen hätte. insofern lässt sich die frage stellen, ob bei „fussballvonlinks“ nicht eher der wunsch vater des erblickten war, als die realität!?
    und was nun an „pro-hooliganismus“-gesängen so verwerflich oder falsch ist, solltest du auch mal ausführen.

    schade. zumindest den bava.blogsport.de habe ich eigentlich immer ganz gern verfolgt. das hier ist eher kategorie unterste traurigkeit.

  4. Jurij sagt:

    @eric: die NPD war nur im mommsenstadion. in babelsberg waren eher echte männer unterwegs, die mal provozieren wollten. aber spaß beiseite, daß du die babelsberger*innen mit antifas gemeint hast, ist mir entgangen. aber so macht es auch sinn.

    un nur nochmal ein statement zur güte. der support der hansa fans, war beeindruckend. wenn die böllerwürfe auf den rasen nicht gewesen wären, hätte ich damit wohl weniger ein problem. diesen hooliganfetisch gibt’s ja durch aus auch in der linken szene. eben auch in beabelsberg. wer da so mit „hoolywood“ rumläuft… echt gruselig!

    und die sache mit udo pastörs fand ich grundlegend in ordnung. das der typ rausgeschmissen wurde, war auch überfällig. das statement der suptras danach, von wegen gegen rechts- und linksextremismus im stadion, fand ich aber echt schwach. damit haben sie ihre aktion relativiert und wahrscheinlich für antiextremist_innen und unpolitischen fans in ihren reihen eine brücke gebaut.

    und was hat hooliganismus bitte mit support der mannschaft zu tun. das sind verabredete gangauseinanderandersetzungen oder sadomasochistische fight club events. für mich hat das weder mit ultrà noch mit fußball zu tun. deshalb gibt es ja hooligans auch in uniform 😉

  5. eric sagt:

    Einverstanden. zu der Hooligan-/Gewaltfrage, aber auch zum Umgang mit dem Pastör-Fall zitiere ich mal aus dem Mutterland der Ultra-Bewegung. In der Ausgabe 26 (April 2006) der Erlebnis Fussball wurde die Weiß Schwarz Brigade – Ultras Cesena interviewt.

    EF: Wie sieht es mit Gewalt bei euch aus?

    WSB: In Italien ist es so, wenn sich eine Gruppe als Ultras bezeichnet, dann muss es eine gewalttätige Orientierung geben. Gibt es das nicht, ist man eben nur Tifosi oder Nicht-Ultra. Wir sind nicht abgeneigt von Gewalt und denken, dass es der wichtigste Punkt ist, sich bei anderen italienischen Gruppen Respekt zu verschaffen. Hierbei muss man aber auch betonen, dass wir natürlich andere Gruppen hassen, jedoch auf der anderen Seite auch respektieren, sofern sie sich stellen und unsere Mentalität teilen. Auf der anderen Seite haben wir keinen Respekt vor Gruppen, die ohne jegliche Regeln wie Delinquenten kämpfen. Wir sind absolut gegen das führen von Messern und jede Gruppe, die gegen uns gekämpft hat, kann das bestätigen. In dieser Saison gab es Kämpfe mit den Ultras aus Rimini und Bergamo, letzte Saison gegen die Ultras aus Venedig.

    EF: Gibt es politische Tendenzen in eurer Gruppe?

    WSB: Nein, unsere Gruppe lässt politische Tendenzen in der Curva Mare nicht zu. Allerdings gab es in der Vergangenheit während der 80er Jahre rechte Tendenzen in der Kurve. Seit vielen Jahren ist es jedoch nicht mehr erlaubt, politische Symbole in der Curva Mare zu zeigen. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein Spruchband: Weder Rot noch Braun, wir sind nur Weiß und Schwarz! Für uns ist die Kurve ein Platz für Menschen, die sich mit dem Ultra Way of Life identifizieren, mit der Liebe zu unserem Club und daneben gibt es keinen Platz für Politik.

    Ein Statement, dass meines Erachtens nach so auch aus Rostock stammen könnte.

  6. Jurij sagt:

    das stimmt wohl. aber dadurch wird es nicht besser. das statement klingt für mich eher nach ’ner gang, die sich gern prügelt. aber selbst wenn das ultrà wäre, warum haben die unioner*innen dann ältere und „normale“ tebe fans, und auch kinder überfallen?