Hände weg vom Jolly Roger!

Am vergangenen Freitag gingen im Hamburger Schanzenviertel
laut Pressemitteilung
der Fan- und Mitgliederorganisationen des FC St. Pauli, 4.000 Menschen unter
dem Motto „Wir machen auch ohne Zähne das Maul auf – Gegen Polizeigewalt!“ auf
die Straße, um auf die Übergriffe der Sicherheitsorgane gegen friedliche
Besucher_innen des Schanzenfestes und der St. Pauli Fankneipe Jolly Roger aufmerksam zu machen
und die politische Aufarbeitung der Vorkommnisse zu fordern.

Die Organisator_innen der Demonstration (Video)
aus dem Umfeld der Fankneipe waren mit der großen Zahl der Teilnehmer_innen und
dem breiten Spektrum, daß nicht nur Fußballfans, sondern auch Anwohner_innen
und Familien umfasste, äußert zufrieden. Die Äußerung, eine laute und kraftvolle
Demo mit viertausend Leuten unbeschädigt durch eine Riesenaufgebot der Polizei
laufen zu lassen, die sich behelmt am Rand der Demo eskalierend mit
Wasserwerfern formierte und offensichtlich nur darauf wartete wieder losprügeln
zu dürfen, klingt zunächst zynisch. Mit dem Wissen um die politischen
Hintergründe im Hamburger Senat und den unmotivierten Übergriffen auf dem
Schanzenfest macht solch eine Sorge um die Unversehrtheit von Demonstrant_innen
durchaus Sinn.

Was am Samstag, den 4. Juli, beim Schanzenfest passierte,
kann als relativ detailierter Bericht beim kiezkicker
nachgehört werden. Jedes einzelne Detail ist erschreckend. Offenbar hat die
Hamburger Polizei und allen voran der Innensenator Ahlhaus die Konfrontation
mit dem Fest, ihren Beteiligten und Besucher_innen von Beginn an provoziert.
Nachdem die Zuständigkeit für den Polizeieinsatz an den Innensenator übergegangen
war, liefen behelmt, äußerst ausladend und nach Streit suchend Gruppen von
Bereitschaftspolizisten durch das Fest. Ab circa halb zehn schwangen die Herren
Polizisten dann den Knüppel.

Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, war das Jolly Roger
dran. Dort fand, laut einer Presserklärung
der Fankneipe, gerade eine Privatparty mit circa 100 Teilnehmer_innen statt. Ab
circa 1:30 Uhr postierten sich mehrere Hundertschaften Polizisten und zwei
Wasserwerfer vor dem Jolly Roger, die, obwohl keinerlei Provokationen von den
Gästen der Privatparty ausging, ohne Vorwarnung zunächst die Kneipe mit Reizgas
vernebelten, sie dann vermummt stürmten, Besucher_innen innen und außen mit
Tonfas tracktierten und zu guter letzt auf die Eingangstür mit zwei
Wasserwerfern drauf hielten.

Zu den Vorfällen um das Jolly Roger ist jetzt ein Video
aufgetaucht.
Darin ist zu sehen, wie bei der Erstürmung massiv Gas eingesetzt wird.
Sichtbare Provokationen gibt es nicht. Später (ab circa der 0:50 Minute) kommt
der Wasserwerfer zum Einsatz, der aus großer Entfernung auf die Eingangstür
zielt, wo sich kaum Menschen aufhalten und von denen keinerlei Gefahr ausgeht.
Es schien darum zu gehen, daß keiner die Kneipe verlassen sollte, damit die
vermummten Polizisten im Inneren in ihrer Zerstörung ganze Arbeit leisten
könnten.

Die Demonstration am vergangenen Freitag und die breite Solidarität
beweist, daß die Einwohner_innen des Schanzenviertels und der Verein St. Pauli
sich derartige Übergriffe nicht gefallen lassen werden. Gegen Polizeigewalt
hilft nur breite Solidarität! Die Knüppelgarde kann einpacken, wenn Tausende
ihnen Paroli bieten.

2 Kommentare zu „Hände weg vom Jolly Roger!“

  1. MisterAltravita sagt:

    Ach hör mir auf mit Polizei und Recht und Gesetz.

    http://www.altravita.com/…sten-spaccarotella.php

    Spread the word!

    Kai

  2. brigata sagt:

    am 12. september wird übrigens das von der polizei unterbrochene schanzenfest mit offenbar mit sehr viel mehr beteilgten und einer großne geschlossenheit der initiativen, gewerbetreibenden und organisationen in st. pauli fortgesetzt. die polizei hat sich mächtig geschnitten, dass sie einfach mir nix dir nix auf leute einprügelt, sich lügengeschichten ausdenkt und von gewaltspirale und krawalltourismus schwadroniert.

    die einzigen hooligans, die am 4ten unterwegs waren, scheinen uniformiert gewesen zu sein und alle auf irgend welche zahlen zu hören. außerdem ist ahlhaus ihr größter macker.

    hier ein bericht über eine anwohner_innen versammlung zur fortsetzung des festes.

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