Homosexualität im Fußball – Tabu oder Alltag?

Die Diskussion um queere Fußballspieler*innen ist seit einigen Tagen neu entbrannt. Losgetreten hatte sie ein Interview von Mario Gomez mit dem Boulevardmagazin Bunte, das vor Monaten geführt worden sein soll, aber erst in der aktuellen Ausgabe vor einer Woche erschienen ist. Darin fordert Gomez Fußballer*innen auf sich offensiv zu outen. Er prognostizierte, daß sie dann „wie befreit aufspielen“ könnten. Schließlich soll „Schwulsein“ keine Tabuthema mehr sein.

Die Reaktionen auf diese Äußerungen kamen in ihrer Ablehnung unerwartet laut, so daß Gomez seine Outing-Forderung an seine schwulen Kolleg*innen in einem Interview in der vergangenen Woche relativierte und wie Tim Wiese sowie Phillip Lahm von einem Outing aufgrund der aktuellen Homophobie im Stadion abriet. Beide beziehen sich explizit auf Fußball als imaginierte letzte Bastion der „Männlichkeit“, die insbesondere von den vermeintlich (männlichen) Fans wie beim FC Union Berlin wiederholt als solches gerettet werden soll. Denn im Gegensatz zur Behauptung von Gomez ist Homosexualität im Fußball weiterhin ein Tabu. Das dies allerdings nicht nur die Fans betrifft, läßt sich schnell an einer kleinen Aufstellung erkennen.

Am berühmtesten wurde Christoph Daum, der vor Jahren verlangte, daß Kinder und Jugendliche vor „Schwulen“ geschützt werden müssen und „gegen jegliche Bestrebungen, die gleichgeschlechtlich ausgeprägt sind“ vorgegangen werden muß. Im vergangenen Jahr ließ der polnische Torwart Arek Onyszko in seiner Biografie seiner Homophobie freien Lauf und schrieb, daß er alle Schwulen „hasse“. Der kroatische Präsident der Fußball Föderation Vlatko Markovic äußerte sich in einem Interview ebenfalls homophob und behauptete, daß „nur normale Menschen“ Fußball spielen würden. Außerdem bekräftigte er, daß solange er Präsident sein würde, keine (bekennenden) schwulen Fußballer*innen im Nationalteam spielen würden.

Aber auch die Vereine sind bei homosexuellen Spieler*innen zurückhaltend oder gar ganz ablehnend. In Frankreich wurde im vergangenen Jahr Yoann Lemaire, ein schwul lebender Spieler des französischen Vereins FC Chooz, nach 14 Tagen entlassen, als seine Homosexualität dem Verein bekannt wurde. Der Verein behauptete, daß die Entlassung ein Schutz vor den bekennend homophoben Spieler*innen des Vereins war. Das heißt, statt sich mit der Homophobie in ihrem Kader auseinanderzusetzen und Respekt ohne Ausgrenzung zu fördern, trennte sich der Verein lieber von einem Spieler, der sich getraut hat trotz Tabu und Diskriminierung offen schwul zu leben.

Der Ansatz von Gomez, der übrigens erstmals die unterdrückte Homosexualität mit dem sportlichen Erfolg verknüpft, erscheint wünschenswert und notwendig. Damit beweist er, daß zwischen den Kolleg*innen und Sportler*innen das Tabu zumindest in Deutschland durchbrochen wurde. Homosexuelle Fußballer*innen können vereinsübergreifend auf Unterstützung durch ihre Kolleg*innen hoffen.

In den Verbänden und in den Kurven sieht es allerdings ganz anders aus. Auch wenn es nicht weniger queere Fanclubs gibt, die europaweit im Verband Queer Football Fanclubs organisiert sind, bleibt ihr Einfluß marginal. Die Veranstaltung des Vereins und der Fans von Tennis Borussia zur „Homophobie im Fußball“ am morgigen Mittwoch, die im Rahmen des Projekts Soccer Sound des lesbisch-schwulen Verbands Deutschland (LSVD) stattfindet, ist deshalb besonders zu empfehlen.

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