Zu Gast im Waldstadion Miersdorf

Am vergangenen Samstag gab es in Bezug auf Fußball einiges zu sehen. In München holten die Babelberger*innen zwei Punkte beim Nachwuchs des ganz großen Bayern. In Köln trafen zwei der besten deutschen Frauen*schaften im Finale des DFB Pokal aufeinander, nämlich die Meister*innen aus Potsdam und die beste Frau*schaft des vergangenen Saison aus Frankfurt (Main). Leider haben die falschen, unverdient gewonnen. Die Schwächen bei Turbine waren schon am Mittwoch zu ahnen. Irgendwie fehlte das Feuer und die Leidenschaft. Und dann kam auch noch Pech dazu Im Krombacher Pokal Brandenburg sah es beim Spiel des Oberligisten Optik Rathenow beim Landesligisten SC Eintracht Miersdorf / Zeuthen auf dem Sportplatz Wüstemarker Weg nicht viel anders aus.

Die Stimmung im Miersdorfer Waldstadion war trotz der familiären Atmosphäre nicht schlecht. Die Gäste aus dem Haveland hatten allerdings wenig dazu beigetragen. Es kamen vielleicht 20-30 Nordbrandenburger*innen nach Miersdorf um ihre Mannschaft zu unterstützen. Ihr Support war allerdings wenig kreativ und beschränkte sich auf einige wenige Schmähgesänge. Die kamen dann auch noch so dämlich und unpassend, daß die Krakeler*innen sich eher lächerlich machten.

Auf der anderen Seite bemühte sich ein gutes Dutzend Miersdorfer*innen um eine lautstarke und farbenfrohe Unterstützung der Mannschaft. Die Ultras Miersdorf, die offenbar seit 2009 existieren, waren mit mehreren hübschen Transpis, Fahnen und zwei Doppelhaltern mit den Logos der Stadt und des Vereins am Start. Sie schafften es beinah durchgängig zu supporten und die Miersdorfer*innen auf dem Platz zur Höchstleistung zu brüllen. Respekt! Schöner Support. Tolles Material! Nur die Gesänge könnten etwas kreativer und einzigartiger sein. Aber das kommt bestimmt noch…

Der Hintergrund der Jungs ist unklar. Die Homepage gibt wenig Auskunft. Ein Selbstverständnis gibt es nicht. Fotos sind ebenfalls rar gesät. Etwas befremdlich ist allerdings die Homophobie beim Dissen vermeintlicher Rival*innen, wie zum Beispiel irgendwelcher Ultras aus dem hessischen Dorf Niederkalbach. Genauso widerwärtig war aber auch das Absingen der ersten Strophe des Deutschlandliedes vor dem Spiel. Solche Nazischeiße zu singen geht gar nicht!

Ob sie das wohl in der Köpenicker Kurve gelernt haben? Mit Homophobie, Seximus und Antisemitismus haben die Unioner*innen, wie sie schon mehrfach bewiesen haben, keinerlei Probleme. Da wäre ein bißchen widerlicher Nazionalismus schon passend. Vielleicht liegt der Hang zum Reaktionären aber auch in den Vereinsfarben des SCEMZ. Wobei ich sagen muß, daß ich diesen Eindruck bei den Miersdorfer Ultras nicht hatte. Die wirkten engagiert, enthusiastisch und offen. Im Zentrum stand eher die leidenschaftliche und lautstarke Unterstützung ihrer Mannschaft. Die Fahnen und Transpis gingen äußerst kreativ mit den Farben des Vereins um. Ihr Design der Fahne finde ich meilenweit besser als die Vereinsfahne. Das Logo des vereins ist aber selbstverständlich unschlagbar.

Aber kommen wir zum Spiel. Das war nämlich Wiedererwarten auf relativ hohen Niveau und bis zur letzten Minute spannend. Miersdorf zeigte sich bis zur 80. Minute keinesfalls unterklassig, sondern spielte gegen die Gäste aus Rathenow auf Augenhöhe. Der Klassenunterschied war bis zum Schluß nicht zu spüren. Wie der Fohlen-Fan im Forum von Die Fans schrieb, war der Sieg der Rathenower ein „schmeichelhafter Sieg“ und mit 2:0 auch viel zu hoch.

In der ersten Halbzeit dominierte Rathenow zwar das Mittelfeld, kam allerdings nicht einmal gefährlich in den Miersdorfer Strafraum. Der beste Mann auf dem Feld war der SCEMZ Keeper Schröder. Er hielt die Abwehr hinten zusammen, koordinierte konzentriert und ruhig die Viererkette, die nicht einmal wackelte. Die harmlosen Distanzschüße oder verunglückten Pässe konnte er locker parieren oder halten.

Die Gastgeber waren in der ersten Hälfte zwar nicht überlegen konnten sich aber die deutlich besseren Chancen erarbeiten. Von Beginn an suchte Miersdorf die Konterchance und kam eins ums andere mal gefährlich in den Strafraum. Nach einer halben Stunde gab es Chancen im Minutentakt. Leider war die Abgeklärtheit dann doch mangelhaft..

Das rächte sich in der zweiten Hälfte. Rathenow kam nun sehr viel gefährlicher vor’s Tor der Gastgeber*innen. Schröder und die Miersdorfer Abwehr standen allerdings immer noch sicher. Mit Kontern konnte der SCEMZ immer wieder empfindlich unter Druck setzen. Von der ersten Minute entwickelte sich das Spiel zu einem offenen Schlagabtausch mit leichten Vorteilen für Rathenow, die allerdings unkreativ und leidenschaftslos versuchten zum Torerfolg zu kommen.

Was bei den Gästen fehlte, boten die Gastgeber umso mehr auf. Der Klassenunterschied war überhaupt nicht zu spüren. Miersdorf kickte auf locker auf Oberliganiveau und kam immer wieder gefährlich vor’s Tor. Der Wendepunkt im Spiel war allerdings kein Tor, sondern die Rote Karte gegn die Rathenower Nummer 33. Der Spieler rastetet nach einem simplen Festhalten völlig aus und bespuckte den Unparteiischen. Dafür flog er nicht nur vom Platz, sondern auch, wie nach dem Spiel gerüchteweise rumging, auch aus der Mannschaft.

Danach verloren die Miersdorfer erstaunlicherweise ihre Sicherheit und kassierten durch einen simplen Lupfer das 0:1. Die Abstimmung in der Abwehr hatte kurz nicht funktioniert, Schröder versagte und war zu vorsichtig, schon zappelte der Ball im Netz. Miersdorf gab allerdings nicht auf und kam in den letzten zehn Minuten zu einigen hochkarätigen Chancen. Aber wieder patzte Schröder und kassierte das 0:2… Echt schade!

Der SC Eintracht Miersdorf muß sich für diese Leistung aber keineswegs schämen. Die unverdiente und bittere Niederlage zeigt auch, daß der SCEMZ durchaus auch in höheren Ligen bestehen könnte. Bleibt zu hoffen, daß die Mannschaft die Euphorie dieses Spiels und die guten Ansätze in die Liga retten kann. Ein Besuch am Wüstemarker Weg lohnt sich auf jeden Fall. Auch wegen den UMZ’09!

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