Es geht wieder los!

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So! Für den AS Livorno hat gestern die Saison begonnen. Das Pokalspiel vor wenigen Wochen kann mensch fast nicht zählen. Auch weil Amaranto rausgeflogen ist. Übrigens waren bei diesem Spiel ein paar Dutzend Supporter von der neuen Gruppe = L = 17 febbraio 1915. Geholfen hat’s nichts. Aber darum soll es an dieser Stelle auch gar nicht gehen. Denn Livorno ist gestern in die Serie B gestartet.

Und kaum spielt Amaranto wieder in der zweithöchsten Spielklasse, wird es schwer einen Stream zu finden. Gestern ging gar nix. Alle einschlägigen Seiten boten nur irgendwelche uninteressanten Hockeyspiele an, aber nicht die Partie des AS Livorno gegen Carpi. Dabei war das doch ganz spannend. Der Aufsteiger gegen einen Aufstiegsaspiranten. Naja, klingt vielleicht doch nicht so interessant. Aber es hätte ja trotzdem einen Stream irgendwo geben können. Aber gut, gab’s nicht und so bleiben nur Facebook, Twitter und Co, um zu verfolgen was in Livorno läuft. Leider ging das aber nach hinten los. Eingeschlafen sind wir nämlich euphorisch mit dem ersten Sieg im ersten Spiel, aufgewacht aber mit einem dämlichen 1:1 Remis… Also: Es kann nur besser werden.

Das Spiel selbst scheint ohne größere Höhepunkte verlaufen zu sein. In der ersten Halbzeit lief es für Amaranto sehr gut. Mazzoni, der aus Padova zurückgekehrte Keeper von Livorno, hielt prächtig, leistete sich aber in der zweiten Hälfte einen grober Schnitzer (hihi schönes Wortspiel, was mich an ein super zu lesendes Werder-Zine erinnert), der beinah noch zur Führung für die Gäste aus Carpi geführt hätte. Er ersetzt Francesco Bardi, der zu Chievo nach Verona wechselte und damit zurecht in der Seire A bleibt. Das Tor für die Gastgeber*innen machte übrigens Andrey Galabinov, der Neuzugang, der im bulgarischen Nationalteam spielt und von Avellino kam. Emerson und Luci haben nicht gespielt. Somit fehlten die Akzente nach vorne. Der neue Trainer Carmine Gautieri, der in seinem ersten Liga-Spiel für Amaranto auf der Bank saß, kommt aus Napoli und hat bisher unterklassige Vereine trainiert. Zuletzt war er bei Varese, vorher bei Empoli und Bari. Er kennt sich also ganz gut in der Serie B aus. Hoffen wir, daß das hilft.

Der einzige Lichtblick war die Kurve. Die war nämlich gut gefüllt und sang neunzig Minuten. Im Rest des Stadions sah es leider nicht so rosig aus. Denn es kamen nur 5.832 Zuschauer*innen, was für einen Auftakt mitten in der Urlaubszeit wohl aber gar nicht so schlecht sein soll. Naja, wollen wir das mal so stehen lassen… Rund um das Spiel gab es einigen Trubel. Denn, nachdem Siena Bankrott anmelden mußte und aus der Liga flog, waren plötzlich mehrere Teams im Gespräch, die den fehlenden Startplatz übernehmen sollten. Unter ihnen war… Tata… Pisa, was zu einiger Aufregung und hektischen Diss-Aktivitäten in den sozialen Netzwerken führte, die ihre langen Schatten bis ins Spiel warfen. Kurz vor dem Anpfiff der Saison mit dem Spiel Perugia gegen Bologna entschied die Federazione Italiana Gioco Calcio (FIGC), daß Vicenza als 22. Team um die Meisterschaft in der Serie B mitspielen würde.

Übrigens: Bislang wurden 3.500 Dauerkarten verkauft. Das Abonnement für die Curva Nord kostet 95 Euro normal und 60 Euro ermäßigt. Es gibt eine Aktion für Familien: Wer drei Dauerkarten kauft, zahlt 70 Euro Voll- und 45 Euro ermäßigt. Wäre das nicht was für Nulldrei!?

Schon in der Sommerpause sorgten zwei tragische Ereignisse für Trauer bei den Livornes*. Alessandro Nicola, der Sohn des Ex-Trainers Mister Davide Nicola, wurde bei einem Verkehrsunfall getötet. Seine Beerdigung fand unter großer Anteilnahme von Team und Fans des AS Livorno statt. Vor wenigen Wochen starb Valerio, ein Trommler aus der Kurve. Kurz vor seiner Beerdigung wurde sein Sarg durch die Curva Nord getragen, quasi als letzter Gruß. Für ihn wurde über dem Kurvenbanner ein Spruch aufgehängt. Darauf hieß es: Valerio sempre nei nostri cuori. Valerio wird immer in unseren Herzen bleiben… Neben diesem traurigen Anlaß gab es aber auch was zu feiern. Den die Freund*innen aus Marseille wurden 30 Jahre alt. Der Geburtstagsgruß an Commando Ultra‘ 1984 hing ebenfalls über dem Kurvenbanner. Außerdem hing auf der Tribüne das antirassistische Banner “Fai goal al razzismo“ (Schieß ein Tor gegen Rassismus) des L’Ufficio Nazionale Antidiscriminazioni Razziali (UNAR).

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Da die Weltpolitik in der Sommerpause eine Krise nach der anderen fabrizierte, wurde es in Livorno nicht nur meteorologisch heiß. Zum einen gab es Kommunalwahlen. Die Partito Democratico, für die Livorno eigentlich seit Jahrzehnten eine Bastion war, verlor richtig heftig und mußte den Bürgermeister*innen-Posten an das Movimento Cinque Stelle, die obskuren Populist*innen des Politclowns Beppo, äh Beppe Grillo, abgeben. Zunächst sorgte diese Wahlniederlage für Schadenfreude und Aufbruchstimmung in der Stadt. Allerdings spätestens nach der Entscheidung, eine Städtepartnerschaft mit Gaza Stadt aufgrund des Konflikts zwischen der Hamas, militanten Palästinenser*innen und dem israelischen Staat nicht zu vollziehen, wurde die Kritik am M5S-Bürgermeister heftiger. Für besonderen Unmut sorgte in diesem Zusammenhang die Intervention der Jüdischen Gemeinde von Livorno gegen diese Partnerschaft.

Der Ukraine-Konflikt führt in Italien im Allgemeinen und in Livorno im Besonderen ebenfalls zu krudem Engagement. Die Band Banda Bassotti organisiert in naiver Ignoranz und trotz zahlreicher solidarischer Interventionen auch von unserer Seite für die pro-föderalistischen Milizen eine „Antifaschistische Karawane“ von Moskau über Rostov nach „Novorossija“. Viele italienische Aktivist*innen, aber auch spanische Genoss*innen, verwechseln die Milizen der sogenannten „Volksrepubliken“ mit Partisan*innen. Sie behaupten, daß der Kampf im Donbass von Antifaschist*innen gegen eine faschistische Reconquista geführt wird. Völlig verdrängt wird dabei allerdings, daß auf der einen wie auf der anderen Seite Nationalist*innen, Monarchist*innen, Nazis und kriminelle Söldner*innen kämpfen. (Mehr zum „Krieg in der Ukraine“ gibt es hier.) Der Bezug zu Livorno ist aber nicht nur politisch zu ziehen. Banda Bassotti wird nämlich am 6. September auf der zweiten Ausgabe des Festivals Autorganizzazione in Festa auftreten, das von Livorno Indipendente sowie dem Projekt Ex Caserma Occupata organisiert wird.

Also, es war einiges los. Und wir haben leider nicht berichtet. Wir geloben Besserung. Wir haben uns nämlich nochmal zusammengesetzt und entschieden, daß wir in der aktuellen Saison wieder mehr über den AS Livorno und die Stadt schreiben wollen. Einmal wöchentlich soll es Neuigkeiten geben. So hoffen wir. Na dann, bis nächste Woche…

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