No, no, no, non si può più dormire

Banda Bassotti war, wenn ich mich nicht täusche, seit 2004 jedes Jahr in Berlin. Im vergangenen Jahr haben sie ihr Konzert vom 5. Dezember im SO36 aufgenommen, daß sie am 25. April 2010 unter dem Titel „Checkpoint Kreuzberg“ veröffentlicht haben. Das Konzert 2006 zusammen mit Boikot im Kato war für mich das beeindruckendste und enthusiastischste Konzert der Banda. Der vergangene Donnerstag kam der classe operia* Revolutionsliturgie sehr nahe. Außerdem waren wir nicht die einzigen Livornesi im Publikum.

Beim obligatorischen Abschlußlied „Bella Ciao“ war ein vereinzeltes C.P. 21 Shirt auf der Bühne zu sehen. Weiter vorne trieb sich ein jugenlicher Cristiano Lucarelli mit Trikot rum. Und genügend pugni chiuso gab es auch.

Das dieser Abend ein ganz besonderer werden sollte, war schon relativ früh zu spüren. Der Donnerstag sorgte dafür, daß nicht zu viele kamen. Bei der Aufzeichnugn der Live-CD war es schon arg voll und die Stimmung auch nicht so gut. Am vergangenen Donnerstag gab es wenigstens noch Luft zum Atmen, die Menschen blieben entspannt und rockten trotzdem ordentlich. Vor allem waren sie textsicherer.

Wieder mit von der Partie war Rude HI-FI, allerdings nicht, wie am 5. Dezember, nicht als Animateur, sondern mit seinem und Sandokans Projekt La Mâquina aus Rom. Sie haben für die Banda in jedem Fall ordentlich eingeheizt. Rude HI-FI sang, auch wie schon im Dezember, „Guns of Brixol“ damit auch die „vecchi cani bastardi“ sich mal ein wenig ausruhen konnten.

Das Konzert von Banda Bassotti selbst knüpfte nahtlos dran an, wie sie im letzten Jahr aufgehört hatten. Nur das die Band diesmal näher am Publikum war. Sie bemühten sich darum zu reagieren. Sie spielten ihr Programm nicht, wie im Dezember geplant einfach runter, sondern improvisierten zwischendurch.

Besonders beeindruckend war wieder einmal die Agitprop Schauspielleistung von Picchio. Seine expressionistischen Gesten ergänzen die Verspropaganda durch einfache Erläuterungen und ermöglichen eine ironische Auseinandersetzung mit dem gesprochenen. Das Publikum muß mitdenken und bedankt sich durch mitsingen.

Ganz besonders hervorzuheben ist, daß Banda Bassotti gleich zweimal „Figli della stessia rabbia“ sang, erst etwas schneller und dann nochmal später zum genießen. Der Track „Luna Rossa“ in dem es um das Nazi- und Staatsmassaker am 12. Dezember 1969 auf der Piazza Fontana in Mailand geht. Daran zu erinnern wird immer wichtiger. Schließlich sitzen die Verantwortlichen von damals wieder in höchsten staatlichen Positionen und vergreifen sich immer noch an anarchistischen, antagonistischen und kommunistischen Menschen und Freiräumen.

Also, es war ein super Konzert. Es war grandios! Gerne wieder!

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