Suptras – Sport, Straight Edge und Sexismus

Die Suptras Rostock sind eine ganz besondere Fangruppierung. Sie halten sich, ganz im Gegensatz zu ihren ähnlich antiextremistischen Freund*innen aus der Wuhle, aus den meisten größeren Ultrà Bündnissen weitestgehend heraus. Sie sind lieber unter sich. Frauen und Mädchen, vor allem die nicht-hanseatischen, nicht-rostocker’schen, sind ihnen lediglich als Projektionsfläche und Objekt ihrer territorialen Ansprüche bekannt. Deshalb verknüpfen sie mit ihnen offenbar konsequent widerliche Vergewaltigungs- und Dominanzphantasien. Macht, Besitz, Potenz  und vermeintliche Revieransprüche werden sexualisiert und aggressiv gegen Frauen gerichtet. Der Rostocker Suptra als Testosteronschleudern verteidigt seine Territorium durch Übergriffe. Für die Ultrà- und Fanfamilie, die Farben und die Stadt, Loyal, stolz und ehrenhaft! Wat für ein Dreck!

Der sexistische Müll fand sich, wie schon bei den Teen Spirit Sexist*innen, in der aktuellen Ausgabe des Suptra Fanzine „GreifZu“. Die Rostocker Ultrà Männer kotzen fröhlich rum und teilen ordentlich aus. Die Ansage richtet sich „an  die Jugend“ und vermischt Hardcore-Straight-Edge Anti-Drogen und Anti-Alk Forderungen und widerlichen Sexismus mit Loyalitäts-, Stolz- und Ehre-Ansprüchen.

Was wir nicht brauchen sind zugesoffene und zugekokste Spinner die sich nicht mehr merken. Es ist nicht cool ne Flasche Vodka zu klauen und dann auf Ex zu saufen. Es ist nicht cool das hart verdiente Geld für gestrecktes Persil raus zu ballern!

Bei ihren sexistischen Tiraden sind die Suptra Ultras allerdings wesentlich „unkreativer“ und reaktionärer als ihre Sexist*innen-Kumpels im Geiste vom FCU. Waren es bei den TSK-Kiddies noch „Schwanzlosesgesindel“, „Bergziegen“, „Fotzen“ oder sogar „Mädchen“ und „Freundinnen“ werden bei den Suptras „Dynamo-Fotzen“ und „Disco-Weiber“ draus, die Angst haben und bevorzugt gemeinsam penetriert werden sollen.

Wir sind hungrig. Wir dursten nach Hansa in der Bundesliga. Wir träumen von Hansa in Europa! Und wir freuen uns über jede Dynamo-Fotze die beim Anblick eines jungen Hansa-Kriegers mit der Kogge auf der Brust das Weite sucht! […]

Seid immer offen und ehrlich mit euren Brüdern im Geiste. Beklaut euch nicht untereinander, zieht euch nicht gegenseitig ab, streitet nicht wegen dummer Disco-Weiber! (Fickt sie lieber zu zweit:-)) Wir alle in der Fanszene Rostock sind eine große Familie! Und so sollten wir miteinander umgehen! Mit gegenseitigem Respekt, Loyalität, Stolz und Ehre!

Grrr… So ein Dreck. So ein widerlicher Scheiß. Dokumentiert hat den übrigens der Blog after changes we are more or less the same und Fußball von links verlinkt. Über letzteren Blog bin ich drauf gestoßen.

Interessant ist aber der kleine Verweis auf die Angriffe der Suptras auf antifaschistische Fans und Ultras in den eigenen Reihen. So loyal und unpolitisch scheinen die Suptras dann doch nicht zu sein. Wurden sie nach dem Rauschmiß der NPD aus ihrer Kurve noch breit gelobt, zeigte sich in der damals veröffentlichten Erklärung der Rostocker*innen schon, daß diese Aktion weder antifaschistisch motiviert noch ein Statement gegen Diskriminierung war. Vielmehr soll es eine unpolitische Aktion gewesen sein, ausdrücklich gegen „links- und rechtsaußen“, die den Anspruch untermauern sollte, daß „jede Politik, erst recht von extremistischer Art, bei Hansa Rostock nichts zu suchen“ hätte.

Jeder Hansafan und Besucher unserer Tribünen kann und soll denken und meinen, was er will. Jeder Versuch, unseren Verein und seine Fanszene politisch zu beeinflussen oder komplett zu missbrauchen, ist allerdings zum Scheitern verurteilt! Jede Personengruppe, die entsprechendes versucht, hat die Konsequenzen zu tragen!

Was das bedeutet, bekam die „progressive“ Ultrà Gruppe Unique Rebels zu spüren, die sich im Juli vergangenen Jahres gründete und nach nur sechs Monaten nach massiven Drohungen und Angriffen durch die Suptras aufgab.

Im August, nach dem Rauschmiß der NPD, heulten die Nazis noch ordentlich rum, versuchten die Wogen zu glätten und forderten den „Keine Politik“-Ultrà-Imperativ konsequent von den Suptras ein. Die spurten und richteten ihre Aggression nun auch gegen „linke“ Gruppen in der Kurve. Diese Gleichsetzung von „links“ und „rechts“ reproduziert allerdings lediglich (antiextremistische) staatsdienstliche Diskurse, obwohl die Suptras doch so antistaatlich sein wollen.

Also, bei den Suptras finden eine reaktionäre „Straight-Edge-Ideologie“, die den gesunden Körper glorifiziert, ekelhafter Sexismus, militanter Territorialfanatismus und von den Sicherheitsbehörden inspirierter Anti-Extremismus zusammen. Mit diesem Gebräu wird jeder progressive oder emanzipatorische Ansatz in der Kurve ausgeschlossen. Die Einheit der Hansa-Ultras wird nach Außen und Innen durch regionalpatriotische, sexistische, homophobe und eine vermeintlich apolitische Diskriminierung durchgesetzt. Echt eine nette Kurve…

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2 Kommentare zu „Suptras – Sport, Straight Edge und Sexismus“

  1. eric sagt:

    Erstaunlicherweise finden sich derartige Beschreibungen auch über die italienische Ultraszene etwa der blühenden 80er Jahre im „Tifare Contro“, das ich gerade lesen. Dabei frage ich mich immer wieder, ob es schlicht einfach nur die Wahrnehmung des Autors war oder es tatsächlich derart ablief.

    Wenn ich auch den Großteil des Textes hier oben teile, meine ich, reicht das bloße anprangern nicht aus. Um ein Nachdenken auch nur möglicherweise zu erwirken, muss schon eine handfeste Kritik hinzukommen. Wieso also soll Sexismus verkehrt sein? Gerade in dieser Hinsicht spalten sich in Rostock ja die Geister. Die einen, die betonen, dass das Projekt den Verein zu unterstützen, damit nicht beeinträchtigt wäre und die anderen, die genau andersrum argumentieren und sagen, dass gerade die Verweichlichung durch Frauen den Support hemmt. Einerseits weil Frauen nicht ordentlich supporten könnten, andererseits, weil das an die Szene selbstangelegt Ideal des unbarmherzig, harten, brachialen und durchsetzungsfähigen Hansafans/-Ultras/-Hools durch diese nicht zu erfüllen ist.
    Und wenn du dann als aktiver Hansafan etwas Kritisches dazu sagst, wirst du ausgegrenzt und spätestens wenn du dich dazu öffentlich äußerst defamiert und in letzter Konsequenz angegriffen. So eben geschehen bei Unique Rebels und Umfeld. Selbst der Versuch Parallelstrukturen aufzubauen und etwa eine eigene Kurve/eigenen Block aufzuziehen, würde sicherlich im Keim erstickt werden. was bleibt ist zumindest vorerst das Exil.

  2. Jurij sagt:

    Seximus im Stadion is‘ bis heute ein riesen Problem. Die Ultrà Kultur, die ja in den 80igern zum Massenphänomen wurde, ist stringent männlich. „Tifare contro“ zeigt, leider viel zu plastisch und erschreckend, wie der „antagonsitische Faktor“ sich vor allem nach Innen richtet. Sexismus gehört deshalb vermeintlich „natürlich“ dazu. Schließlich geht es um Respekt, Ehre, Macht und Stärke. Und vor allem um Territorium, denke ich.

    Im Film „Ultra“ aus den 80igern ist die Eingangsszene eine gespielte Vergewaltigung. Es wird so getan, als ob die Freundin des Capos aufgelauert, verfolgt und vergewaltigt wird… Echt gruselig.

    Ich denke auch, daß Sexismus grundsätzlich und heftiger attackiert werden muß. Die Gewalt und Invasionspahantasien werden mühelos sexualisiert und in sexuellen Übergriffen verbalisiert. Der „Gegner“ muß erniedrigt und am Besten „geschändet“ werden. Hinzu kommt, daß die Sicherheitsorgane und das -personal nicht selten gerade die vermeintlich schwächeren Frauen sexistisch attackieren.

    Ultrà ist längst nicht mehr männlich patriachal. Es ist ein Freiraum für alle. Und du hast völlig recht, mit dem Support hat das Geschlecht / Gender gar nix zu tun. Das zeigt ein Leser*in-Brief in der aktuellen BFU. Besonders gut fand ich das Ende:

    „Aber genaus deswegen bin ich das schwarze Schaf und jedes Mal, wenn ich in die Kurve betrete, meinen Blick schweifen lasse, mit der Gruppe zusammen stehe und voller Leidenschaft singe, dann weiß ich: Dafür bin ich es gerne! Sei anders – lebe ultrà!“

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