Per niente non si fa niente! La curva massacrato!

Es ist immer wieder schön in Livorno. Die Stadt pulsiert zwar nicht, ist weder richtig arm und schon gar nicht sexy. Dafür nerven dort keine Hipster. Faschos trauen sich nicht in die Stadt und wenn sie doch kommen (wollen), wie Borghezio vor Jahren, dann gibt’s auf die Fresse. Das Stadion hat einen eigenen, familiären Charme. Leider sind dem AS Livorno die Fans abhanden gekommen. Die Livornes* haben resigniert und meiden das Stadion. Es war ein heftiger Schock, als wir am vergangenen Wochenende ist der Kurve saßen und die marginal gefüllten, beinah stummen und apathischen Menschen auf den Rängen sahen.

Die Curva Nord war beinah leer. Nirgendwo hingen Transpis oder Banner. Die Ultrà Tribüne war leer. Die Grüppchen, Familien und Freunde saßen ruhig und desinteressiert in der ganzen Kurve verstreut. Junge Livornes* kommen gar nicht mehr in die Kurve – organisiert sowieso nicht (mehr). Das Herz der Curva Nord – die Ultras – sind verschwunden. Jeder positive Bezug zum Verein, der Stadt oder irgend etwas anderem im Stadion fehlt völlig. Nur noch als Trotz und als Statement gegen Spinelli kommen die Menschen noch in die Kurve.

Das Verhältnis zwischen dem Präsidenten, der Mann*schaft, den Fans und den Livornes* ist völlig desolat. Es gibt eigentlich keins mehr. Keine*r will mehr mit Spinelli zusammenarbeiten. Die Kommunikation zwischen der Kurve, den offiziellen Fanclubs auf der Gegengrade und der Tribüne ist empfindlich gestört. Francesco von Alè Livorno hat uns erzählt, daß diese Saison der absolute Tiefpunkt seit Jahrzehnten ist. Die Kurve ist tot und mit ihr fehlt die Leidenschaft im Stadion.

Das Spiel am vergangenen Samstag war der Abgrund. Auf den Rängen Totenstille. Auf dem Rasen völliges Desinteresse. Die erste Halbzeit plätscherte dahin. Torchancen gab es gar nicht. Frosinones war zu doof das Tor zu treffen und Livorno dachte wohl schon an den Strand und wollte sich bloß nicht verausgaben. Es fehlte sichtlich an Spielfreude und Konzentration. Die Pässe, wenn es denn mal welche gab, kamen nicht an. Stupide wurde immer wieder versucht über ein gruseliges Kurzpaßspiel durch die Mitte in den Strafraum zu kommen. Über die Flanken wurde gar nicht gespielt. Da bot sich nicht mal einer an. Frosinone versuchte es zwar auch über die Seiten, aber war ähnlich ungenau, was allerdings nicht anders zu erwarten war. Schließlich standen die Latiner*innen schon länger als Absteiger*innen fest.

Die zweite Hälfte sah etwas anders aus. Livorno spielte nun auf die Curva Nord und suchte nun konzentrierter und mit einem zaghaften Raumspiel, das endlich auch die Flanken einbezog, das Tor. Doch die versuche blieben zunächst völlig harmlos. Entweder kam keiner mit oder der Paß ging ins nichts. Von internen Abstimmung keine Spur. Deshalb brauchten die Livornes* sichtbar Schützenhilfe durch die Gäste aus Frosinone. Die bekamen sie durch ein völlig unnötiges Foul im Strafraum. Den fälligen 11er machte Tomas Danilevicius rein, was aber auf den Rängen kaum für ernsthafte Emotionen sorgte. Zaghaften Applaus gab es aber schon.

Richtig rund ging’s aber nach dem 2:0 für Livorno. Das endlich mal gut rausgespielte Tor hatte Cellerino geschossen. Aber er konnte es nicht lassen die Kurve mit einer abfälligen Geste zu provozieren. Die Reaktionen kamen prompt. Plötzlich erwachten die tifos* kurz und beschimpften Cellerino. Das Tor wurde nicht gefeiert, aber nun gab es ein Ventil um den Frust der Saison und des Grottenkicks los zu werden. Cellerino mußte sich für seine Aktion aber nicht nur von den Fans Kritik anhören. Der Livorno-Trainer Novellino watschte ihn in der Pressekonferenz ab und bezeichnete Cellerinos Geste als unnötig.

Der Anschlußtreffer für Frosinone ging danach völlig unter. Das Spiel interessierte längst keine*n mehr. Die Mann*schaft mußte sich für die Scheißsaison beschimpfen lassen. Tavano wurde bei seiner Auswechslung gnadenlos ausgepfiffen. Die Hoffnungen und die Ansprüche, die an eine Livorneser Nummer 10 – der Nummer des Helden Igor Protti – gestellt werden, konnte er in den letzten Spielzeiten nicht mal annähernd erfüllen. Er blieb farblos und irrelevant für das Spiel der Livornes* – und zwar nicht nur am vergangenen Sonntag, sondern auch bei den anderen Spielen.

Wie Amaranto aus dieser Krise raus kommen soll, weiß kein mensch. Der Tiefpunkt betrifft längst nicht mehr den sportlichen Bereich. Mit der Tessera wurde die Repressionschraube gegen organisierte Fans unerträglich angezogen. Aber auch die offiziellen Fanclubs kämpfen mit Frustration und haben spätestens in dieser Saison resigniert. Nicht nur die Kurve blieb, wie bei so vielen Spielen der letzten Saison, nahezu leer. Auch die Gegengrade und die Heim-Blöcke in der Südkurve, wo die zurückhaltenderen tifos* sitzen, ziehen nur noch die loyalsten Livornes* an. Alle wissen nicht, wie es noch weiter gehen kann.

Keine*r denkt noch an die Seria A. Spinelli hat ja offensichtlich nicht einmal eine Idee, wie er eine funktionierende Serie B Mann*schaft formen kann. Er hat offensichtlich keinerlei Konzept, was er mit dem Verein machen will. Die Abteilungen existieren vor sich hin und sterben ab. Der Trainer*innen-Verschleiß der letzten Jahre beweist mit jeder Auswechslung, daß Spinelli sich weiter in einer Blase befindet. Er ignoriert hartnäckig, daß kein mensch mehr mit ihm zusammenarbeiten will. Seine Einmischungen in den sportlichen Bereich schüren eins ums andere Mal mehr und mehr Unsicherheit. Die jungen Spieler*innen werden weder unterstützt noch gefordert. Tut sich mal einer hervor, wird er verkauft. Ist jemensch zu frech und weigert sich unterzuordnen, fliegt er raus – so wie Lucarelli, der nicht gehen wollte, aber ging, weil er’s mit Spinelli nicht mehr ausgehalten hat.

Hinzu kommt die unerträgliche Überwachung in den Stadien und die Repression gegen organisierte Fanstrukturen, die weder für mehr Sicherheit noch für eine entspannte Atmosphäre sorgt, außer mensch meint eine tote damit. Die Spontanität eines Stadionbesuchs ist schon vor Jahren verloren gegangen. Hopping ist kaum möglich, wenn sich mensch nicht auf den Graumarkt verlassen möchte. Ausweispflicht im Stadion gilt nunmehr selbst beim Heimspiel. Die permanente Kameraüberwachung in jeder Ecke des Stadions macht alle Fans zu totalüberwachten Konsument*innen in einem Eventtempel. Nur das die Show längst verloren gegangen ist. Trommeln sind nicht erlaubt. Megafone sowieso nicht. Transpis müssen Tage vorher von der Questura genehmigt werden… Und am Ende zersplittern die Kurven in Diskussionen um Reaktionen auf die Repression.

Das, was wir am Sonntag in Livorno gesehen haben, ist wie eine Flashforward in Zeiten ohne Ultras und organisierte Fanstrukturen. Das Stadion ist tot. Die Ränge bleiben leer. Nur noch die Alten gehen aus „Tradition“ ins Stadion. Der Rest schaut – wenn überhaupt – die Spiele bei Sky oder Mediaset. Bloß gut, daß die Stadt lebt. Sie läßt sich nicht einschüchtern. Das Centro Politico feiert weiter. Das Refugio ist längst als Kulturort etabliert. (Zu beidem in weiteren Artikeln in den nächsten Tagen mehr) Die Solidarität der Livornes* lebt weiter – auch wenn die Kurve tot ist! Deshalb trotzdem…

Forza Livorno! Sempre!

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