Sommer, Sonne und viele Gründe zum Feiern

Was für ein Tag! Wat für ’nen Spiel! Und überhaupt, was für ’ne Woche. Einfach nur der Hammer. Didi Demuth stand zum zweiten Mal auf’m Zaun. Die ganze Mensch*schaft hing daneben. Alme „Teenieschwarm“ Civa machte den Vorsänger. Und die ganz Kurve in seeligem Glück. So is‘ schön.

Die Woche hatte für uns schon sehr ereignisreich und fröhlich begonnen. Am Mittwoch haben wir in der Neuköllner Astrastube unseres vierjähriges Bestehen gefeiert. Mit dabei war’n ein paar 03nuller*innen und nette Zujezogene. Bei letzteren bedanken wir uns hiermit ausdrücklich nochma‘ für die schönen Stunden, vor allem nach dem Jena Spiel. Die infernalischen Filmstädter*innen war’n übrigens ebenfalls mit von ’ner Partie und überraschten uns mit sehr hübschen Präsenten. Eines davon ha’m wir dann gleich ma‘ gestern präsentiert. Auf jeden Fall wurde nach dem viel zu langen Championsleague Semifinale bei livorneser Mucke von Psychedelic Rock und Metal über Electro und Rap bis Ska und Punk geklönt, gekickert und intellektuell äußerst anspruchsvolle Themen debatiert. Vor allem bei letzterem kann das schon ma‘ Stunden dauern… Naja, um fünf war’s vorbei. Ich hab den nächsten Tag hell, dann dunkel und endlich wieder hell werden lassen. Dann noch ’nen Tag malochen und ab nach Babelsberg…

Die Anfahrt verlief ereignisarm und langweilig. Nich‘ mal über die Bahn muß ich mich aufregen. Alle’t entspannt und chillig. Obwohl die Familien, die Sommerfrischler*innen und Stadtflüchtigen mit ihren sportlich ausgestatteten Fahrrädern und funktionalen Kinderaufbewahrungsvehikeln schon recht amüsant anzuschauen war’n. Die verließen das sich aufheizende Abteil zumeist in Wannsee. Übrig blieben mit Trikots bewaffnete Armin*innen und die Babelsberger Blauweißen.

Nach der Ankunft in Nowawes ging’s erstma‘ in den Obst- und Gemüseladen, der russisches Bier und vor allem russisches Waffeleis hat. Ich glaube, diese Station muß sein, damit Babelsberg punktet. Ich war nämlich zweimal drin – das erste ma‘ beim Aalen Spiel und gestern eben – und zweimal hat Nulldrei sensationell gewonnen. Nach dem Abstecher zur*m Eisdealer*in ging’s ab in‘ Fanladen. Leute begrüßen, sich bedanken – zum Beispiel bei den Ultra Unfug Macher*innen, die unseren Dankestext an die Nordkurve abgedruckt und hierzu unser erstes Logo ausgegraben haben – dann noch ’ne Cola trinken und sich auf die bevorstehenden überaus wichtigen Minuten im KarLi vorbereiten.

In ’ner Nordkurve angekommen, sah’s schon sehr gut gefüllt aus. Eigentlich wird zu diesem Zeitpunkt die erste Bratwurst vertilgt. Diesmal sollte es ’ne vegetarische sein. Schließlich hab ich seit Freitag, nachdem mir ’ne*n sonst Döner- und Dürum vertilgende*r Arbeitskolleg*in verkündet hat aufgrund von Earthlings nur noch Fisch essen zu wollen, ein bißchen schlechtes Gewissen nich‘ genauso konsequent zu sein. Naja, hab vergessen die vegetarische Wurst zu probieren. War einfach zu viel los – vor’m Spiel und danach sowieso. Und als endlich Zeit und Muße für die leiblichen Belange da war, gab’s die Veggie-Wurst nich mehr. Na dann eben in ’ner nächsten Saison…

Ein Grund, warum das leibliche Wohl die ersten Stunden etwas zu kurz kam, war zum Beispiel auch die Überraschung, die uns in ’ner Nordkurve erwartete. Denn wieder gab’s ’nen kleines Präsent zu unserem Geburtstag. Diesmal nich‘ transportabel, sondern klebend. Direkt neben den Vorsänger*innen Paletten hing ein graphischer Geburtstagsgruß an uns vom Filmstadtinferno ’99. Hach….

 

Die Tribüne steht

Aber kommen wir langsam zum Spiel. Das hatte es nämlich mächtig in sich. Nach der Verabschiedung von Alme Civa, der gestern das letzte mal zu Hause für die Nulldreier*innen auflief, durch den Verein und die Nordkurve ging’s gleich rasant los. Die Blauweißen im Heimweiß legten ordentlich los und kamen zu einigen Torchancen. Aber auch die nordrhein-westphälischen Gäste ließen sich nich‘ Lumpen und suchten den Weg in den gegnerischen Strafraum. Lange ging es hin und her, wobei sich die Babelsberger*innen klare Feldvorteile erarbeiten konnten. Allerdings gab’s mächtige Defizite im Torabschluß. Die Torschüße gingen entweder drüber oder daneben. Die Standards verpufften, ohne wirklich gefährlich zu sein. Die Kopfbälle hat viel zu wenig Schmackes, um den Bielefelder Keeper ernsthaft zu gefährden.

Die zweite Hälfte spielte eigentlich nur noch eine*r – nämlich Babelsberg. Versuchte Bielefeld zu Beginn noch dagegen zu halten, brachen die Offensivbemühungen der Gäste spätestens nach ’ner Viertel Stunde vollends zusammen. Der Rest der Spielzeit gehörte eindeutig Nulldrei. Plötzlich kombinierten die Babelsberger*innen. Kurzpaßspiel im KarLi – davon hätt‘ ich mir nie träumen lassen, so wat mal zu seh’n. So richtig krasse Chancen gab’s aber wieder nich‘ – dafür aber nich‘ gegebene Tore und Elfer. Die Sportjournalie und pessimistische Zeitgenoss*innen unkten schon, daß, wer so viele Chancen verschenkt, am Ende womöglich mit nix nach Hause geht. Aber es kam doch anders.

Aufgrund einiger, wenig eleganter Spielunterbrechungen gab’s fünf Minuten sportlichen Nachschlag. Bielefeld war da schon am Ende. Die Babelsberger*innen hatten aber noch nich‘ genug. Ein Punkt war viel zu wenig. Mit ’nem Remis war’n die Nulldreier*innen auf’m Rasen und die Fans nich‘ zufrieden. Das rettet weder die Klasse, noch reicht das für ein schönes Abschlußfest für Alme. Also, nachlegen war angesagt – sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen. Und dann stand plötzlich die diesmal gut gefüllte Tribüne auf. Makarenko legte sich den Ball für ’nen Freistoß aus halblinker Position, circa 18 Meter vom Bielefelder Tor entfernt zurecht und schoß. Er flog über alle hinweg, senkte sich kurz vor’m Tor, ging unten an die Latte, tropfte ins Tor und sprang zum Jubel nochmal richtig schön in die Maschen… Kurze Stille. Und dann nur noch ein Rausch aus einem nicht endendem JAAAAA….

 

In Babelsberg is‘ mehr Stimmung, als in Barcelona“

Danach gab’s kein Halten mehr. Hände. Umarmungen. Bier und Wasser flog durch die Luft. Wellen hüpfender Menschen – egal ob auf’m Zaun, auf der Tribüne oder in ’ner Kurve. Wat für ’ne Entladung der ganzen ängstlichen Anspannung… Das war echt wichtig. Und ich muß zugeben, ich hab das erste Mal nach ’nem Tor geheult.

Und wer hat’s wieder mal gewußt, daß der SVB noch das Tor machen würde. Wer hat schon ’ne Viertel Stunde vor dem offiziellen Spielende davon geredet, daß in ’ner 89igsten das Tor für die Nulldreier*innen fallen würde und selbst der Schiri nix dagegen machen könnte (obwohl er sich redlich bemüht hat das Tor zu verhindern). Wer war’s… Und wieder mal recht gehabt! Es war zwar die 94. Minute und nich‘ die 89igste – aber gut, ich will ma‘ nich so sein.

Die Stimmung war übrigens lange mehr als lau. Die erste Hälfte wollte nich‘ so richtig durchstarten. Die Lieder wurden kaum durchgesungen – selbst die mit wenig Text. Fahneneinsatz gab’s auch seltener. Die Hitze forderte eben doch ihren Tribut. Die Klatscheinlagen dagegen sah’n gut aus. Recht hohe Mitmachquote und ordentlich laut. Ebenfalls bombastisch kam der Vorsänger*innen Kurve Dialog rüber. Und das „We love Nulldrei“ klingt einfach immer brachial laut.

Die zweite Hälfte fand ich persönlich supportperspektivisch besser. Die Aktivierung der Gegengrade durch den Jungvermählten sorgte nochma‘ für ’nen fetten Push auf’m Rasen und auch in ’ner Nordkurve. Die Klatschparts war’n nu‘ breiter und lauter. Das „We love Nulldrei“ muß die Tribüne auch noch ma‘ so richtig motiviert ha’m. Dort ging’s dann wohl auch irgendwann richtig los und sie stand plötzlich…

Für mich war die zweite Hälfte einer der schönsten Erlebnisse im KarLi. Die Party danach sowieso. Wenn die Mensch*schaft komplett auf’m Zaun hängt, dann is‘ das einfach nur schön. Wenn die Kurve alle’t aus sich rausholt, wat es an Lautstärke so aufbieten kann. Wenn der Dialog zwischen Fans und Spieler*innen einfach nur ein ekstatisches gemeinsam kennt… Das nenn‘ ich Ultrà!

Der Tag klang sehr entspannt aus. Im Fanladen noch ’nen bißchen Klön mit TeBe Fans von ’ner Initiative Fußballfans gegen Homophobie. Dann sind wa‘ nochmal ins Stadion, um auch ma‘ auf der Tribüne sitzen zu dürfen. Danach ab zu Rosi und abhängen bis es dann noch zu später Stunde ins Nowawes ging.

Das war eine perfekte Woche. Deshalb, danke FI ’99 für die tollen Geschenke, danke 03nuller*innen und Zujezogenen für euer Vertrauen und schließlich danke Nordkurve für diesen Hammer-Nachmittag!

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