Zufällig die Zweete…

Zufälle gibt’s. Nee. Da greift die*er eine sich in der Schnelle den Schal der Zweeten. Andere verpennen zuerst den Zug, dann auch noch den Auswärtsbus und wachen noch rechtzeitig zur Weiterfahrt mit unplanmäßigen Zwischenhalt am Lutherplatz auf. Wir dagegen wußten von Anfang an, wo die Nulldreier*innen am letzen Spieltag im Oktober spielen sollten – nämlich nich‘ in Erfurt, nich‘ in Zeuthen, sondern in Miersdorf.

Wiedermal stand Mutter – oder vielleicht doch Vater oder auch irgend etwas anderes – Natur auf unserer Seite. Im Mai zitterte die Erde in Norditalien vor unserem Ausflug nach Livorno und legte nach unserer Heimreise nach Berlin gleich wieder los. Diesmal war’n es Kälte und Schnee, die für einen schöne Samstagnachmittag im Berliner Umland beim Sportclub Eintracht Miersdorf / Zeuthen sorgten. Oder hatte Rot-Weiß Erfurt die Hosen voll und konnte deshalb die „Schneemassen“ nich‘ räumen. War’n vielleicht alle, samt des Platzwartes, krank? Wer weiß…

Der SCEMZ feiert übrigens in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Das größte Geschenk für den Verein war der Aufstieg in die Brandenburgliga. Für mehr Zuschauer*innen sorgte das leider nich‘. Und selbst die Zeuthener Ultras, die wir übrigens schonma‘ in Aktion erlebt hab’n, scheinen sich verdünnisiert zu haben. Vielleicht sind’se erwachsen geworden. Oder sie sind neuerdings in’ner alten Försterei zu finden. Denn zum Jubiläumsspiel kamen die Köpenicker*innen samt Anhang zum Sportplatz Wüstemarker Weg. Die Wildauer*innen vom größten ‚joner Fanclub dürften ebenfalls mit von der Partie gewesen sein. Und ’ne Waldseite gibt’s in Miersdorf auch. Da steh’n bis heute die alten Zeuthner*innen und meckern auf die eigene Mensch*schaft im Allgemeinen und ihre Spieler*innen im Besonderen. Keine Ahnung. Die Ultras Zeuthen war’n auf jeden Fall weit und breit nich‘ zu seh’n.

Die Mensch*schaft des SCEMZ hat sich gestern übrigens gar nich‘ so schlecht präsentiert. Was die Meckerköppe auf der Waldseite allerdings nich‘ von ihrer Lieblingsbeschäftigung abhielt blödsinnig rumzukeifen. Die erste Hälfte stand die Abwehr der Gastgeber*innen sicher. Die*er wiedergenesene Zeuthen / Miersdorfer Keeper parierte mehrfach sehr gut die Torschüße der zunächst dominierenden Babelsberger Reserve-Elf. Die kassierte nach sehenswerten Spielzügen zweimal. Spätestens nach dem zweiten Tor für SCEMZ zog sich Nulldrei zurück. Der Pausenpfiff kam gerade richtig. So ging’s mit 2:0 für die Gastgeber*innen in die Kabine. Nach dem Pausentee, -kaffee, -glühwein oder ’ner Hopfenkaltschale legten die Zeuthner*innen gleich wieder gut los, verpaßten aber eins ums andere Mal den Kasten. Naja, eigentlich wurde nur das gegnerische Tor nich‘ getroffen, im eigenen versenkten nämlich die Gastgeber*innen gleich zweimal den Ball. Der selbstgemachte Ausgleich sorgte in der Folge für ein turbulentes und spannendes Fußballspiel.

Unter dem Spielverlauf litt aber der Support. War’n die Gäste in der ersten Hälfte noch enthusiastisch und lautstark dabei, legte sich die Unterstützung der Mensch*schaft in Halbzeit Zwei mächtig. Fußballkucken war plötzlich angesagt… Bis dahin brachten die angereisten circa fünfzig Babelsberger*innen sämtliche Evergreens der Nordkurve auf, die allerdings marginal modifiziert worden sind. Der Text zu „Ob auswärts oder zu Hause“ wurde den Gegebenheiten angepaßt und wurde wie folgt intoniert.

Ob in Erfurt oder in Zeuthen
halten wir zu dir.
Egal in welcher Liga,
Immer weiter singen wir!

Selbst Wünsche der Einheimischen wurden aufgenommen und zum Beispiel eine Nulldreier*innen Version von „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ gesungen. Um die  CDU und Mensch Reiche ging’s auch. Vergessen wurde dabei aber, daß beim SCEMZ Die.Linke längst fest verankert ist. Trotz komischer Aktivitäten im Nachbardorf KW hält sich in Miersdorf nämlich hartnäckig der Wawzyniak Klan…

In der zweite Hälften litt der Support, wie schon erwähnt, sicht- und hörbar an den lokalen Gegebenheiten und der Konzentration auf das Spiel. Also, Fußballkucken geht gar nich‘. Klar! Auch wenn die blauweiße Reserve ein Spiel dreht und ’nen Hammer Tor von der Mittellinie macht. Auch Kuscheln mit den Spieler*innen mag nett sein. Aber sowat darf nich‘ einreißen… Naja, obwohl. Vielleicht doch. Schließlich wurde es danach noch ma‘ richtig laut. Das „Darum feiern wir“ schallte garantiert bis nach Nazi-Hometown Königs Wusterhausen und sorgte dafür, daß sich die Ewiggestrigen verkrochen. Hoffe ich zumindest… Auf jeden Fall war’s brachial laut!

Das 4:3 für Nulldrei konnte trotzdem nich‘ gehalten werd’n. Die Zeuthen / Miersdorfer*innen glichen aus und machten sogar fast noch den Siegtreffer nach ’nem üblen Bock durch Neubert. Das Gastgeschenk der Babelsberger*innen kurz vor Abpfiff wurde aber nich‘ genutzt und so endete die Partie verdient unentschieden…

Zusammenfassend möchte ich ma‘ behaupten, daß es für alle ein wirklich netter Besuch am Wüstemarker Weg in Miersdorf war. Und nich‘ nur die unplanmäßig angereisten Babelsberger*innen, sondern auch die Einheimischen – zumindest diejenigen, die es sich auf den S-Bahnsitzen vor den S-Bahnfenstern auf der Tribüne gut gehen ließen – hatten ihren Spaß. Die Zujezogenen ’03 war’n ebenfalls gut dabei. Und die Reserve-Spieler*innen durften endlich auch ma‘ ’nen richtigen Torjubel mit Bad in der Fanmeute und Bierdusche genießen. Unvergeßlich, würd‘ ich sag’n!

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