Brigata Amaranto Interview im aktuellen Basch

Wir lesen das Basch, sofern wir es bekommen können, ja immer sehr gerne. Glücklicherweise gibt es mit der Astra Stube Neukölln neuerdings einen Zine-Dealer, der öfters das Heftchen hat. Die aktuelle Ausgabe ist aber gleich auf zwei Seiten ganz besonders spannend. Es gibt nämlich einen super Bericht zu Minsk und Kiev sowie ein Interview mit uns. Kein Witz – im aktuellen Basch dürften wir uns vorstellen. Danke Gimp! Und damit dieses historische Ereignis jede*r zumindest teilweise begleiten kann, veröffentlichen wir hiermit das vollständige Interview und rufen ausdrücklich dazu auf sich die Basch zu besorgen. Und nicht nur diese, sondern alle! Also…

Vor ein paar Ausgaben habe ich hier in der BASCH das Fanzine „Diario di Dario“ vorgestellt. Heute möchte ich euch die entsprechende Gruppe, die hinter dem Heft steht, etwas näher bringen. Anlass dazu gibt es genug, den es steht der 5jährige Jubiläum der Brigata Amaranto an. Die BA ist eine kleine Gruppe von deutschen Livorno-Fans, die sich am 25. April, am Tag der Befreiung Italiens vom Faschismus zusammengetan hat. Die Gruppe ist im Umfeld des Filmstadtinferno 1999 aus Babelsberg zu finden und war auch schon öfters beim magischen FC zu Gast, zuletzt beim Spiel gegen 1860. Viele USPler_innen haben die Leute von der BA aber auch im Rahmen des Organisationsbündnisses der Freundschafts- und Solidaritätstour von Partizan Minsk näher kennen gelernt. Jetzt möchte ich sie euch allen genauer vorstellen.

BASCH: Zu Beginn stellt euch bitte kurz vor. Wer seid ihr, woher kommt ihr und wo geht ihr zum Fußball?

BA 25 Aprile: Wir sind eine kleine Gruppe aktiver Fußballfans des AS Livorno. Als Ultras würde ich uns nicht bezeichnen – obwohl wir doch immer mehr in an ultratypischen Aktivitäten Gefallen finden. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir uns in der Nordkurve Babelsberg endlich angekommen fühlen. Wir selbst wohnen in Berlin.

BASCH: Wie kommt ihr eigentlich ausgerechnet auf Italien und Livorno?

BA 25 Aprile: Das war eher zufällig – wie so oft im Leben. Aus persönlichen Gründen war ein Mitglied längere Zeit in Italien. Bei Besuchen haben wir das Land, die Offenheit und vor allem das Essen lieben und schätzen gelernt. Zu dem Zeitpunkt hatten wir mit Fußball wenig am Hut. Über Ultrà und organisierte Fußballstrukturen wussten wir nix. Und in Italien waren wir nicht mal beim Fußball. Bei uns führte der Weg in die Kurve über die Politisierung rund um die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm. Der erste Schritt führte uns zu Tennis Borussia Berlin. Der zweite ließ uns bei Nulldrei in Babelsberg unser endgültiges Kurvenexil finden. Vor allem seit dieser Saison fühlen wir so richtig wohl. Und zu Livorno führte uns Banda Bassotti und ihre Hymne für die Brigate Autonome Livornesi. Auch so ein Zufall.

BASCH: Das klingt ja nach einer steilen Entwicklung. Aber so richtig seid ihr nicht sichtbar, weder in der Kurve noch außerhalb. Was macht ihr überhaupt?

BA 25 Aprile: Stimmt. Als Gruppe sind wir kaum sichtbar. Ein paar Shirts und Beutel gibt’s aber schon. Unseren Blog füttern wir auch. Zwar momentan nicht so regelmäßig wie am Anfang vor fünf Jahren, aber wir bemühen uns weiter möglichst umfassend über Livorno zu berichten. Außerdem gibt’s noch unser „Diario di Dario“, dessen dritte Ausgabe gerade frisch erschienen ist. In der Kurve in Babelsberg ist von uns eigentlich nur etwas zu sehen, wenn uns das Filmstadt Inferno zum Geburtstag gratuliert. Unser Material, zum Beispiel die Fahne, ist auch nich‘ von uns, sondern ein Geschenk des FI’99. Wir haben uns dafür selbstverständlich mit ’nem Doppelhalter revanchiert. Beides ist regelmäßig in der Nordkurve am Start. Unser Material mit Livorno-Bezug, zum Beispiel das große „Livornesi International“-Banner, das wir für das Spiel gegen Laziomerda am 9. Mai 2010 gemalt haben, hängen wir nur in Livorno auf. Übrigens zu diesem Spiel hatten wir ein Treffen internationaler Livorno-Fanclubs organisiert. Schließlich kamen die Nazis aus Rom ausgerechnet am 65. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland. Damals kamen über 50 Fans aus Schottland, England, Frankreich, Skandinavien, Deutschland, Österreich und vom Balkan. War echt der Hammer. Die Curva Nord lebte kurz nochmal auf, bevor sie in der folgenden Saison zunächst völlig in sich zusammenbrach.

BASCH: Was heißt zunächst? Wie sieht es jetzt, da Livorno kurz vor dem Aufstieg steht, in der Curva Nord aktuell aus?

BA 25 Aprile: So richtig wissen wir nicht Bescheid. Das letzte Mal waren wir im Mai vor einem Jahr im Picchi. Wir fahren spontan jetzt nochmal hin – zum Spiel gegen Brescia. Und damit wieder mal an einem 9. Mai, der übrigens neben dem Tag des Sieges auch der Tag der Ermordung des Kommunisten und Anti-Mafia-Aktivisten Peppino Impastato durch die Cosa Nostra ist. Aber wir haben ja, als wir zum Spiel gegen 1860 in Hamburg waren, zufälligerweise Livornesi getroffen. Sie haben uns erzählt, dass die Kurve wieder lebt. Es kommen wieder deutlich mehr Leute, die singen. In jedem Spiel gibt es Tapeten und neue Fahnen tauchen auf. Das auffälligste ist ein Banner, das fast über die gesamte Kurve reicht. Es hängt bei jedem Heimspiel. Wir selbst hatten schon letztes Jahr bemerkt, dass der Zusammenhalt zwischen Verein und Stadt nach dem tragischen Tod von Piermario Morosini wieder da war. Damals fehlte noch ein Supportkern. Der scheint jetzt vorhanden zu sein. Aber mehr wissen wir erst, wenn wir wieder zurück kommen. Also, entweder mal auf unserem Blog nachlesen oder das nächste Diario besorgen.

BASCH: Kommen wir noch einmal zu euren Aktivitäten zurück. Bei der Partizan Minsk Tour wart ihr maßgeblich an der Orga beteiligt. Woher kommt euer Interesse für Osteuropa?

BA 25 Aprile: Auch hier ist es nicht der Fußball, der uns aktiv werden ließ. Zum einen hatten wir aus persönlichen Gründen immer Kontakt nach Osteuropa. Politisch haben wir uns ebenfalls immer mit den Staaten der ehemaligen Sowjetunion vor allem aber mit der Situation in Russland beschäftigt. Zum Beispiel waren wir an der Organisation zu Veranstaltungen in Erinnerung an die Ermordung der Antifaschistin und Journalistin Nastja Baburova sowie dem Aktivisten und Anwalt Stas Markelov beteiligt. Mit dem Verein Partizan Minsk haben wir uns erst ernsthaft beschäftigt, als der Verein Pleite ging und gerettet werden sollte. Und dann haben wir die Minsker_innen beim letzten ULTRASH Festival kennengelernt. Tja, und am Ende waren wir mitten in der Vorbereitung der Tour eingebunden, sind wie du die ganze Woche mitgefahren und haben die Leute aus Minsk noch näher kennengelernt. Das sind sehr engagierte Menschen, von denen wir ’ne Menge lernen können. Wir haben großen Respekt vor dem, was sie in Belorus leisten.

BASCH: Zum Abschluss noch eine Frage: Was für Pläne habt ihr für die Zukunft?

BA 25 Aprile: Na vor allem freuen wir uns mal wieder nach Livorno zu kommen. Dann stehen Ende Mai mit dem Bunten Ball und dem ULTRASH Pflichttermine an, bei denen bestimmt auch ein paar Sankt Paulianer_innen mit dabei sein werden. Außerdem wollen wir nach Minsk und unsere Freund_innen von Partizan besuchen. Und vielleicht finden wir noch Zeit, um ein bisschen Material zu machen. Es wird langsam Zeit, dass wir uns um Sticker und Schals kümmern. Langfristig soll unser Blog auf jeden Fall wieder aktueller werden. Mal sehen, ob wir das schaffen.

BASCH: Na, dann hoffen wir mal das Beste für die Zukunft. Und jetzt da ihr so aktiv in Ultrà-Themen eingebunden seid sehen wir uns bestimmt öfters.

Danke für das Interview.

Gimp

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