Es geht auch entspannt mit Sachsen*innen

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Das begeisterungsfähige Babelsberger Publikum wird in der Regionalligasaison 2013/14 auch wieder alles für das Team geben. Dieser Rückhalt hat den SVB 03 in der Vergangenheit oft stark gemacht. Man darf gespannt sein, ob Babelsberg seiner Tradition folgen kann, nach Rückschlägen immer wieder aufzustehen. Wir wünschen es ihnen, aber uns allen heute vor allem ein gemeinsames, attraktives und faires Regionalligaspiel im VfB Stadion.

VfB Stadionkurier, 10 August 2013

Nett, ne‘ so freundlich begrüßt zu werden. Und so entspannt, wie sich der Verein VfB Auerbach im Stadionheftchen ankündigt, war’s dann auch bei ihnen zu Gast zu sein. Kein Streß bei der Ankunft. Spaß beim Spaziergang zum Stadion. Kein Streß am Einlaß – na nur’n bißchen durch übermotivierte Schutzmenschen! Gästefans gleich bei uns und nebenan, die haben sich offenbar sehr wohl gefühlt und wollten gar nich‘ mehr weg. So sieht ’nen Spieltag aus, der mir gefällt.

Die Busreise war auch schon sehr schön. Unser*e Reisebegleiter*in stellte sich zu Beginn sehr höflich vor und paßte sich im Laufer der Fahrt bei seinen Ansagen dem Vokabular der Reisenden an. Msuikmäßig sah’s leider auf der Fahrt sehr eingeschränkt aus. Mehr als zwei gedrehte Scheibchen dürften es nich‘ gewesen sein. Auf der einen nur schlechte Musik von Caught in the Act bis 2unlimited, ohne Doktor Alban, auf der anderen schöne Partymusik. Aber eigentlich war’s irgend wann auch egal, was gespielt wurde. Zumindest auf der Hinfahrt wurde die letzte Teilstrecke im hinteren Busteil melodiös geträllert während die vordere Busbesatzung ordentlich gegröhlt hat. Auf der Rückfahrt drehte sich übrigens der chorische Einsatz, ohne daß sich die Protagonist*innen verändert haben…

Ein recht großer Zugmob hatte sich ebenfalls auf den Weg nach Auerbach gemacht. Ich dachte eigentlich, daß der nich‘ so groß sein würde, doch ich mußte mich eines besseren belehren lassen. Ein gutes Dutzend und ein paar mehr hatten sich auf Reise gemacht und sie brauchten gar nich‘ viel länger als wir im Bus. Spaßig wird’s gewesen sein, lagen doch einige interessante Umsteigebahnhöfe auf der Route…

Da wir alle relativ knapp ankamen, ging sofort zügig in den Block. Material wurde am Zaun hinter den Zuschauerstufen angebracht. Vorsängermensch bekam (s)eine Leiter vom Sicherheitsmenschen höchstpersönlich geliefert und los ging’s. Trotz Gegenwind knallten die Schlachtrufe und Gesänge ordentlich über den hübschen Sportplatz im Vogtland. Von den Gästefans war wenig zu hören oder zu sehen. Die Auerbacher*innen beließen es bei Seufzen und Stöhnen. Obwohl sie gerade in der ersten Hälfte doch ein bißchen mehr Grund gehabt hätten, etwas emotionaler zu sein. Denn ihr Team war gut in der Vorwärtsbewegung und brachte die Gäste aus Babelsberg mächtig in Bedrängnis. Die hielten sich aber tapfer und legten in der Schlußphase der zweiten Halbzeit so richtig los. Ob die Gastgeber*innen nun ausgepowert war’n oder Nulldrei ’ne Klasse besser, mag ich nich‘ zu beurteilen. Ich würde auf ersteres tippen. Doch nach schönen Einzelaktionen hieß es für den Goalie des VfB dreimal hinter sich zu fassen. Der Reihenfolge nach trafen Becker, Koc und Albrecht. Das letzte Tor fand ich persönlich am schönsten. Vor allem auch, weil da vieles paßte…

Die Stimmung auf den Gästetreppen war über weite Teile des Spiels ausgelassen und laut. Die erste Hälfte begann allerdings sehr lahm. Da konnte unser*e Animateur*in auf’d Leiter auch nich‘ viel ausrichten. Es wurde zwar gut mitgesungen, aber nich‘ laut genug – fand ich… Nach der kurzen fünf-zehnminütigen Verschnaufpause ging’s dann aber sehr viel besser weiter. Die Schlkußphase wurde es dann richtig schön laut. Durchgehend und unterbrochen durch spielbezogene Schlachtrufe wurden die Gesänge über Minuten aufrecht erhalten und die Spieler*innen auf’m Rasen nach vorn gepusht. Flaute ma‘ ein Gesang ab, brandete er schnell auch wieder hoch. Vom Fahneneinsatz sah’s allerdings nich‘ so gut aus. Also, in Punkto optischer Außenwirkung muß noch ’n bißchen mehr kommen. Oder vielleicht doch nich‘. Ma‘ seh’n…

Sehr schön fand ich die Feierei mit der Mensch*schaft nach dem Spiel. Die Spieler*innen samt Trainer*in kamen geschlossen zum Abfeiern in den Block. Cem Efe machte, noch etwas leise und zaghaft, die*en „Darum feiern wir“ Vorsänger*in. Und das Team tanzte sich einen. So soll’s sein. Ganz besonders feiern ließ sich Sülo Koc. Er ließ sich beim Herzen der mitgereisten Fans besonders viel Zeit und herzte echt jede*n in’ner Kurve. Was das wohl zu bedeuten hat…

So’ne Auswärtsfahrt macht echt Spaß. Sowat kann’s ruhig öfter geben. Nette Gastgeber*innen, drei Punkte und tolle Stimmung. Von dieser ominösen provokanten Person mit Namen Politik und ihren extremistischen Freund*innen war auch weit und breit nix zu seh’n. Ob das wohl (schon) die von Marco Bertram von turus so heftig herbeigesehnte „neue Fankultur“ is’… Ach ne, die war ja schon immer da. Und sie bleibt garantiert antifaschistisch, antirassistisch, antisexistisch, antihomophob und progressiv. Denn: Mit Menschenverstand und Respekt klappt’s auch mit den Nachbarn, äh Gästen… Naja, am nächsten Sonntag kommen übrigens die Zwickauer*innen nach Babelsberg. Ihre Streetart durften wir bereits bewundern. Also, ma‘ kucken, wat die sächsischen Kaot*innen so für ’ne mentalità hab’n, die die an den Wänden ihrer Stadt so abfeiern.

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