Curva Nord am Ende!?

Der Besitzer und Präsident des AS Livorno Aldo Spinelli will offenbar die Curva Nord schließen und keinelei Dauerkarten für die kommende Saison anbieten. Er begründete diese Frechheit damit, daß er „in Zeiten der Krise sparen muß“, viel zu viele nur ab und zu Tickets kaufen und deshalb die Kapazität des Stadions auf zehntausend Besucher*innen gesenkt werden soll. Hinzu kommt, daß Spinelli über die Ticketpreise erst nach Ende der Transferperiode – also nachdem er seinen Gewinn als Spielerberater eingesackt hat – entscheiden wird. Dieser Arsch scheint nun vollends wahnsinnig geworden zu sein und keinerlei Skrupel mehr zu haben, seiner Arroganz und Ignoranz gegenüber den Menschen in Livorno und den Fans weltweit freien Lauf zu lassen.

Offenbar ist den Vereinsoffiziellen von Amaranto recht schnell bewußt gewesen, daß der eskalierende Müll ihres Präsidenten für Unruhe in der Fanszene sorgen wird und längst sorgte. Sie bemühten sich deshalb sehr schnell darum die Wogen zu glätten und die unmißverständliche Drohung gegen die übrig gebliebene Fanszene zu relativieren. Gegenüber der wohl reaktionärsten Tageszeitung der Toskana, Il Tirreno, äußerte der AS Livorno Sportdirektor Elio Signorelli, daß Spinelli lediglich provozieren wollte, um den Ticketverkauf zu pushen. Spinelli bestätigt scheinbar diese Interpretation, in dem er darauf hinweist, daß wer Fußball sehen will auch Tickets, respektive Abos, kaufen muß / soll. Spinellis Pläne die Curva Nord zu schließen um Kosten zu sparen dementiert aber auch der Sportdirektor nicht.

Sehr viel interessanter ist die Spekulation, daß Spinelli nun endgültig mit den alten Fans und erst recht mit den Ultras abrechnen will. In der vergangenen Saison, vor allem nach dem Tod von Morosini, erwachte die Curva Nord zaghaft und fand allmählich wieder zusammen. Allerdings nicht ohne den verhaßten Präsidenten bei jeder sich bietenden Gelegenheit die tiefsitzende Abneigung entgegen zu brüllen. Die Kurve füllte sich im Verlauf der Saison wieder. Es kann zwar noch lange nicht von einer führenden Gruppe gesprochen werden. Eigentlich gibt es überhaupt keine Ultrà Gruppe in der Curva, die zur Zeit aktiv das Tifo-Geschehen organisiert. Aber wie wir auch beim letzten Saisonspiel spüren durften, gibt es ein immer noch tiefes Bedürfnis Amaranto lautstark und emotional zu unterstützen. Die Verbindung zwischen Stadt und Verein ist zwar tief gestört, sie ist aber noch da. Es fehlt tatsächlich lediglich der organisierte Support. Spinelli will diese Leidenschaft offenbar bewußt aussperren.

Andrea Luci, der Kapitän der Mensch*schaft, distanzierte sich vehement von den Plänen von Spinelli. Gegenüber dem Corriere dello Sport betonte er, daß die Schließung der Curva Nord ein nicht wiedergutzumachender Verlust für die Spieler*innen und die gesamte Squadra wäre. „Wer in die Curva Nord geht, wird nicht in einen anderen Sektor wechseln. Diejenigen kommen einfach gar nicht mehr ins Stadion.“ Und damit hat er völlig recht. Auf Mondo Calcio wird deshalb die „maximale Solidarität mit der livorneser Curva Nord“, mit den letzten, verbliebenen leidenschaftlichen Ultras und Tifos* Amarnto gefordert. Es sind wieder einmal vor allem die treuesten Tifos* und Ultras, die bezahlen sollen.

Franco Marino betrachtet die aktuelle Äußerung gewohnt abgeklärt. In Senza Soste schreibt er, daß dieser neue Tiefschlag von Spinelli, wenn mensch sein Verhalten der letzten Jahre betrachtet. Vie zu lange haben ihn die Fans machen lassen. Sein Verhalten ist deshalb im Grunde in seinem Zynismus nachvollziehbar und konsequent. Der Fußball und insbesondere die Kurve bietet grundsätzlich und auch heute Raum für autonome Experimente und die freie Entfaltung der Persönlichkeit. In Livorno wurde dieser Freiraum nicht genutzt. Keine*r hat Spinelli gestoppt – viel mehr wurde alles auf ihn delegiert. Er hat sich die sich bietenden Möglichkeiten offensiv genutzt und mit Amaranto ordentlich verdient. Dann ließ er den Verein fallen und hat er alles platt gemacht. Die Fans stehen nun am endgültigen Scheidepunkt. Franco Marino weist darauf hin, daß es im Grunde darum geht alle Spiele zu boykottieren oder ein Limit der Kollaboration mit Spinelli und damit auch eine Grenze der Erträglichkeit seines Handelns festzusetzen. Hinzu kommt die Frage, wenn mensch überhaupt ins Stadion geht, wer wird supportet – das alte, geliebte Livorno oder Spinellis Livorno.

Franco Marino schaut in die Zukunft. Das können wir zur Zeit noch gar nicht. Aus der Distanz ist es für uns einfacher die Entscheidung aufzuschieben, bis wir mal wieder nach Livorno fahren. Jetzt sind wir einfach nur wütend!

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